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Sagen aus der Gemeinde Klamp

„Der Kuhhirt und die Spukgestalten"

Vor vielen Jahren begegnete einem Klamper Kuhhirten jeden Abend, wenn er in der Dunkelheit von seinen Kühen nach Hause ging, immer an der gleichen Stelle eine goldene Kutsche, die mit vier schwarzen Pferden bespannt war. Er trat dann zur Seite und ließ sie vorbeifahren, und niemand tat ihm etwas. Als der Hirte sich aber eines Abends etwas verspätet hatte und wieder an der bewussten Stelle anlangte, zeigte die Kutsche sich nicht. Dagegen sprang ihm ein riesengroßer Kater in den Weg, der hatte glühende Augen und schrie ihm zu: „Nu is dat ut mit dir!" Der Hirte, aber ein baumstarker Kerl, war nicht bange, sondern schlug mit dem umgekehrten Peitschenstock dem Kater zwischen die Ohren, dass es nur so krachte. Der Spuk verschwand augenblicklich, und auch die Kutsche begegnete dem Kuhhirten niemals wieder. Der Peitschenstiel war nämlich in einer der zwölf heiligen Nächte vom Kreuzdorn geschnitten. Es heißt, dass ein Mann aus Rönfeldholz, dem niemand so recht getraut hatte, seitdem verschwunden war.

„Die Alte mit der Tonne"

Einmal begleitete ein junger Mensch aus Wentorf spät abends zwei Mädchen nach Hause. Als sie so gegen 12.00 Uhr im Holze Walkschar gingen, kroch da aus einem Baum ein altes verkrüppeltes Weib hervor. Dieses brachte eine anscheinend mit Torfsoden gefüllte Tonne zum Vorschein und rollte sie den Weg hinab. Alsbald fing die Tonne an zu glimmen und zu glösen und der Torf darin glühte und glänzte wie Gold; dabei roch es ganz nach Schwefel. Der junge Mann rannte eiligst davon , den Mädchen aber war der Schreck in die Beine gefahren, so dass sie laut schreiend stehen bleiben mussten. Da kehrte die Alte sich nach ihnen um und schrie mit meckeriger Stimme: „Aastügs, holt´t Mul, oder ick dreih ju´t Gnick üm!" Die Mädchen, nun erst recht geängstigt, jammerten: „Ach, du mein Gott!" aber das Wort „du mein Gott" konnte die Alte nicht ertragen , plötzlich ward sie zu einem Eichhörnchen und lief am nächsten Baum in die Höhe, während die Tonne mit ihrem Inhalt lichterloh aufflammte und darauf in Asche zerfiel."

„Taterkoppel"

Vor Alters durchzogen die Tater oftmals diese Gegend und hatten an der Taterkoppel im Gute Klamp ihren Sammelplatz. Von da aus zerstreuten sie sich in die umliegenden Dörfer, bettelten, stahlen und plünderten oder beschwindelten die Bewohner durch Wahrsagen und Zauberei. Neben den Igeln, die sie in Lehm einhüllten und so in der heißen Asche ihres Lagerfeuers backten, mussten die Katzen, von ihnen Böhnhasen oder Balkenhase genannt, manchen Braten liefern; keiner war vor ihnen sicher. Zuweilen griffen sie auch hübsche Kinder an und entführten sie. Die Alten und Schwachen ihres Stammes, die sie nicht mit fortbringen konnten, wurden von ihnen ertränkt, wobei sie sangen: „Dük ünner, dük ünner, de Welt is di gramm, du kannst ni länger leben, du muss nu davon!" Einmal kam ein Trupp nach Wentorf zu einer Bauersfrau, die ganz alleine zu Hause war und über eine unheilbare Krankheit klagte. Das eine Taterweib wurde vertraut und sprach: „De bösen Geister hebbt di ünner, awers ick kann ehr to Ruh bringen un bannen, wenn du di´n groten koppern Bratketel över´n Kopp nimmst un binnen Stunnstied keen Lud von di giffst, dar mag passeren, wat will. Dat gifft noch en groten Kampfs; seggst du en Wurt, kost dat din Leben!" Die kranke Frau ließ sich alles gefallen . Der Kessel wurde ihr über den Kopf gestülpt, und einige von den Zigeunern klopften dermaßen darauf, dass der Armen Hören und Sehen verging, indes die übrigen Tater Kisten und Kasten durchsuchten und alles mitnahmen, was ihnen gefiel."

Ersten Auftreten der Zigeuner in Deutschland 1417. Zigeuner gaben an, Nachkommen der Ägypter zu sein, die Christus auf seiner Flucht nicht aufgenommen hätten und darum zu ruhelosem Umherirren verurteilt zu sein. In Schleswig-Holstein zuerst 1511; von da an ständige Gäste hier. Name Tatern wegen Ähnlichkeit mit Räuberischen Tataren. Sie selbst nannten sich Secani (= Zigeuner). Siehe den Flurnamen „Taterkoppel" in der Feldmark des Gutes Klamp.

Quelle: Gemeinde Chronik von Herrn Adolf Baumgarten

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